Als Yogalehrerin in Marokko: Meine Erfahrungen

Ende März 2018 bin ich in die marokkanische Metropole Casablanca gezogen. Ich habe dort Yoga bei Om Yoga Casablanca unterrichtet und war zudem im Online Marketing für ein Yoga Start-Up tätig. Wie mein Leben in Marokko bisher ausgesehen hat möchte ich heute im Blog berichten.

Das Leben in Casablanca

Casablanca ist in vielen Aspekten ganz anders als meine vorige Heimat Bali: Es ist eine Millionenmetropole mit wenig Tourismus und hauptsächlich muslimischer Bevölkerung. In vielen Reiseführern liest man, dass man Casablanca entweder hasst oder liebt. Ich kann mich in keinem der beiden Gefühle wiederfinden, wenn es jedoch etwas gibt, dass ich nach drei Monaten sagen kann ist es das: Casablanca ist kontrovers.

Der Muezzin ruft fünfmal am Tag zum Gebet auf, viele Frauen in Casablanca sind verschleiert, die Café’s sind von Männern dominiert, Innigkeit zwischen Pärchen wird in den Straßen Casablancas nicht gerne gesehen. Da ich bis 18 fast jeden Sommer bei meiner Familie in Kairo verbracht habe ist mir diese Kultur nicht fremd und ich konnte mich damit irgendwie arrangieren.

Ich lerne hier aber auch eine andere Seite kennen. Die Yogastudios sind gefüllt mit liberalen jungen Marokkanerinnen, in den Szeneclubs wird geraucht, getrunken, geflirtet und die Frauen treten um einiges aufreizender auf als in Deutschland. Meine Nachbarn haben nachts laut Spaß. Hinter verschlossenen Türen ist Casablanca um Einiges aufregender als auf den Straßen.

Yoga unterrichten in Casablanca

Das Yogastudio, in dem ich gearbeitet habe, ist ein weiterer kultureller Leckerbissen. Om Yoga Casablanca befindet sich in einem Reichenviertel in Casablanca. Bereits in den Stunden, an denen ich nur teilgenommen und nicht unterrichtet habe sind mir die Frauen aufgefallen. Ohne Wertung: Allein optisch sind die Marokkanerinen das Gegenteil von den eher von Natürlichkeit geprägten Yogapraktizierenden auf Bali. Die Schüler kommen zehn Minuten später dazu und der ein oder andere geht vor Savasana.

Als Yogalehrer fällt man da natürlich, fälschlicherweise, ein schnelles Urteil. Ich persönlich habe versucht mich zu erinnern, wie ich zu Yoga gekommen bin. Und das war ganz bestimmt nicht aus spirituellen Gründen. Auch ich wollte fit werden, liebte die Dynamik der Klassen und war anfangs von zu viel Chanten und Meditation verunsichert. Den energetischen und spirituellen Zugang zu Yoga habe ich erst mit etwas Zeit bekommen.

Genauso verhält es sich mit der Motivation vieler Praktizierender in Casablanca. Die Metropole hat weniger als zehn Yogastudios, die Yogalehre ist für die Meisten noch neu und eine teure Angelegenheit. (Die Mitgliedschaft in unserem Studio beträgt 190 Euro pro Monat. Vergleich: Meine Mitgliedschaft in Deutschland kostete 80 Euro im Monat, auf Bali 90 Euro).

Ich denke auch eine Stadt wie Casablanca ist offen für eine tiefgehende Yogapraxis. In unserem Yogastudio wird einmal die Woche ein einstündiger Meditationskurs angeboten und dieser wird immer besser besucht. Und die entspannten Gesichter im Savasana sind hier genauso bezaubernd wie überall sonst. Never judge a book by it’s cover.

Außerdem sind Yoga Retreats in Marokko sehr beliebt. Sowohl in Casablanca, als auch Marrakesh, im Atlasgebirge oder sogar in der Sahara sind Yoga Reisen möglich. Aber auch in den Surfgebieten gibt es exzellente preiswerte Yoga Surfcamps wie zum Beispiel in der Surf & Yoga Villa by Easy Surf Maroc.

Als Frau unterwegs in Marokko

Es gibt die unterschiedlichsten Erfahrungen von Frauen, die in Marokko reisen. Frauen, die in Marokko ohne Probleme reisen konnten und Frauen, die genervt von dem Verhalten marokkanischer Männer waren.

Die Yogaszene ist allgemein eine sehr freie und liberale. In Yoga Retreats und Yoga Studios können die Frauen entspannen, am Pool relaxen und ohne Probleme neben Männern praktizieren. Es gibt aber auch Klassen, die nur für Frauen gedacht sind.

Ich persönlich hatte außerhalb des Studios in Casablanca kaum Probleme, auch wenn ich alleine unterwegs war. Wenn man eine sehr dünne Haut hat, dann können einen die Blicke und albernen Sprüche der Männer aber auch nerven, insbesondere in der Medina oder am Strand. Da ich mit meinem Freund in Marokko lebe und wir auf unseren Reisen nach Marrakesh und Fes immer gemeinsam unterwegs waren, gab es auch hier keine Probleme. In den Medinas von Fes, Marrakesh aber sogar meiner Lieblingsstadt Chefchaouen ist es als Frau zwar nicht unsicher, aber unangenehm alleine unterwegs zu sein. Ich bin halb Ägypterin und kenne das Benehmen von vielen ägyptischen Männern, aber Marokko enttäuscht mich in diesem Sinne genauso, insbesondere da diese Negativbeispiele ein falsches Licht auf marokkanische und ägyptische Männer werfen.

Man muss nicht empfindlich sein, um plumpe Sprüche, Pfeifen oder zu Nahe kommen als No-Go zu empfinden. Und wenn ich meinen Partner als ständigen Beschützer an meiner Seite haben muss, dann ist Marokko einfach kein Land, in dem ich mich als Frau so frei bewegen kann, wie ich es möchte.

Hast du bereits Yoga in Marokko unterrichtet? Wie bist du als Frau in Marokko zurecht gekommen? Hast du Yoga Communities außerhalb von Casablanca kennengelernt? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit mir.

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