Yoga als Basis für digitale Nomaden: Stabilität in der Schnelllebigkeit

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, auch im digitalen Nomadentum. Abgesehen davon, dass das „digitale Nomadentum“ meiner Meinung nach ein peinliches Trendwort ist bezeichnet es einen Selbstständigen oder freiberuflichen Angestellten, der seine Arbeit mit digitalen Medien verrichtet und ein ortsunabhängiges Leben führt.

Jeder, der einen Laptop, etwas Ersparnisse, einen Job, etwas Mut und noch wenig Verpflichtungen hat, kann es ausprobieren. Dabei wird er merken, dass dieser Lifestyle trotz aller Freiheiten, neuen Bekanntschaften aus aller Welt und spannender Destinationen nicht nur positive Seiten hat.

Neben meiner Tätigkeit als Yogalehrerin arbeite auch ich seit Oktober 2016 ortsunabhängig. Ich bin als Freelancerin tätig und arbeite mit meinem Partner an eigenen Online Projekten. Gestartet habe ich das Leben als Nomade auf Bali, aktuell lebe ich in Marokko. Obwohl ich diese Erfahrung niemals missen möchte und ich mir keinen anderen Lebensstil mehr vorstellen kann gibt es auch Schattenseiten des digitalen Nomadentums.

Die Schattenseiten des digitalen Nomadentums

  • Das ständige Abschied nehmen: Egal wie schnell der ein oder andere im Bekanntschaften wechseln ist: Wenn ich jemanden in mein Herz schliesse, dann fällt es mir schwer loszulassen. Ich bin kein Mensch für schnelle Bekanntschaften und deswegen ist es nicht leicht für mich meine gewonnenen Freunde hinter mir zu lassen und mich schnell wieder auf andere einzulassen.
  • Die Selbstverständlichkeit des Reisens: Ich finde es fast erschreckend, wie selbstverständlich es für digitale Nomaden ist von Ort zu Ort zu wechseln. Wenn jede Reise selbstverständlich wird verliert man die Wertschätzung für das Privileg zu Reisen und nimmt die Schönheit seiner Umgebung nicht mehr wahr. Deswegen nehmen wir uns bewusst mehr Zeit an weniger Orten.
  • Inkonsequenz in Umweltfragen: Empörung über Umweltverschutzung durch Plastikmüll, Vermeidung von Plastik und regelmäßige Beach Clean Up’s sind Teil des bewussten Lebensstils vieler digitaler Nomaden, die sich ein schönes Leben in Entwicklungsländern machen. Unzählige Langstreckenflüge, um die beliebtesten Nomadenspots zu besuchen, haben mit einem bewussten Lebensstil allerdings sehr wenig zu tun. Hier herrscht eine große Doppelmoral – eingeschlossen meiner eigenen Lebensweise.
  • Konstantes Heimweh: Egal wo ich bin und obwohl mein Partner, der auch zu meiner Familie zählt, mich stets begleitet: Ich vermisse Deutschland, meine Familie und meine Freunde. Immer. Es erschrickt mich häufig wie losgelöst manche digitalen Nomaden von ihrer Heimat sind und wie schlecht sie über ihr Land sprechen. Mir geht es in keinster Weise so.
  • Sehnsucht nach Stabilität: Manchmal sehne ich mich nach mehr Beständigkeit: Einem geregelten Einkommen, einem nicht ständig wechselnden Arbeitsplatz, Umfeld und Zuhause. Gerade deswegen ist meine tägliche Yogapraxis meine verlässliche Quelle und ein festes Commitment, das mir ohne Ausnahme Halt und Stabilität gibt.

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