Warum sollten wir den Mut besitzen nicht perfekt zu sein?

Zunächst braucht es eine Definition von Perfektion. Die Perfektion, über die ich hier schreibe und die so viele von uns anstreben, ist die eines gesellschaftlich anerkannten und bewunderten Menschen, der attraktiv, selbstbewusst und mit ständigen beruflichen und persönlichen Erfolgserlebnissen durchs Leben geht.

Ich war ein Meister darin Perfektion anzustreben. Und zwar nicht nur in einem Bereich: In meinem Job, in meiner Beziehung, in meinem Lifestyle, bei meinem Aussehen, sogar in meiner Yogapraxis. Was für einem unfassbaren Druck ich mich ausgesetzt habe und was für ein schlechtes Gefühl ich bekommen habe, wenn einer dieser Bereiche nicht „perfekt“ war. Und deswegen habe ich es losgelassen, denn durch das ständige Streben nach Perfektion habe ich alles andere als Ruhe und Zufriedenheit gefunden.

Wieso wollen wir überhaupt Perfektion? Wer zur Hölle hat uns das Bild eines perfekten Menschen in den Kopf gesetzt, wo bitte soll es diesen Menschen geben und wie verdammt langweilig muss sein Leben aussehen?

Keine Perfektion, wie oben definiert, anzustreben bedeutet für mich reine Selbstliebe und Präsenz zu spüren. Inspiriert von Ido Portals neuem Film über die Movement Culture glaube ich an seine Worte „Success is not such a good goal. Fearlessness is much more powerful.“ Ich bin so überzeugt, dass wir in unserem Streben nach Perfektion vor allem von Angst geleitet sind. Angst zu versagen, Angst nicht bewundert zu werden, Angst nicht gut genug zu sein. Was wäre, wenn wir es schaffen, ohne Angst zu sein? Würde das vielleicht zu einem authentischen Leben führen und sich uns wahre Perfektion offenbaren?

Und somit starte ich mit der wundervollen Blogparade Warum Sollten Wir Den Mut Besitzen Nicht Perfekt Zu Sein von Katy in meine beiden Experimente. Ich befreie mich von meinen Ängsten und dem Streben der gesellschaftlich geprägten Vorstellung von Perfektion, indem ich mich zwei Versuchen stelle. Learning by doing is the most effective way!

Ich werde surfen

Ich habe bereits probiert zu surfen. Ein Versuch war sehr gut, die anderen drei weniger. Was habe ich getan? Ich habe beschlossen das sei nichts für mich. Wieso? Ich habe Angst vor dem Wasser, vor der Unberechenbarkeit anderer Surfer und vor allem davor nicht gut zu sein, in dem was ich tue. Also stelle ich mich dem. Die Yoga Asanapraxis beherrsche ich gut, deswegen ist das irgendwie mein körperlich sicheres Terrain geworden. Ich strebe in allem was ich tue spirituellen Wachstum an. Yoga ja, das ist mein Tool. Aber wie sehr kann man wachsen, wenn man etwas probiert, in dem man schlicht und ergreifend wiederholt versagt? Und das ist das Surfen für mich.

Projekt ungeschminkt

Meinen Respekt auch hier an Katy. Ich kenne viele Frauen auf meiner Heimatinsel Bali, die angefangen haben komplett ungeschminkt zu sein, als Projekt der Selbstakzeptanz. Ich bin generell ein sehr natürlicher Typ und schminke mich sehr dezent, aber es gehört in meine tägliche Routine. Ich finde es schön, wenn man sich schminkt, hohe Schuhe trägt und seine Weiblickeit betont. Aber noch viel weiblicher ist es, alle Masken fallen zu lassen und sich so zu zeigen, wie man ist, nicht beeindrucken zu wollen und zu „Makeln“ zu stehen, seien es Augenringe, Hautunreinheiten oder verquollene Augen. Ich habe vor 4 Tagen angefangen und werde das ungeschminkt sein einen Monat lang durchziehen.

Diese Experimente sind Projekte zu mehr Selbstliebe. Es bedeutet nicht, dass ich ungeschminkt sein und Surfen langfristig in mein Leben integriere. Es bedeutet lediglich, ich nehme mir die Freiheit mich von Fesseln der Erwartungen zu lösen. Ich kann, wenn ich will und das ist doch die wahre Perfektion, oder?

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3 Kommentare

  1. Wow, danke für deine ermutigenden Worte, das hat mir wirklich gut getan. Perfektionismus ist ein Thema, was mich immer wieder beschäftigt. Wie leicht wird das Leben, wenn wir es einfach mal sein lassen…