Ungesunden Perfektionismus ablegen: So funktioniert es

Ich habe schon lange keinen neuen Beitrag im Blog veröffentlicht. Hier ein neues Projekt, da ein Umzug oder eine neue Entscheidung – und alles benötigt Zeit und Energie.

Bis vor kurzer Zeit hat mich diesbezüglich ein schlechtes Gewissen geplagt. Ich neige zum Perfektionismus und fühle mich, sobald ich einer Aufgabe nicht ausreichend nachkomme, schuldig. Ich lerne jedoch immer mehr zwar mein Bestes zu geben, mir jedoch auch eine Auszeit zu gönnen, wenn sie nötig ist und mich immernoch gerne zu haben, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Wer ein übertriebenes Streben nach Perfektion kennt weiss, wie sehr man sich damit selbst unter Druck setzen kann.

Warum Perfektionismus schadet

Du denkst, es ist wichtig, stets sein Bestes zu geben? Ja, da hast du absolut Recht. Dennoch gibt es einen großen Unterschied zwischen „Perfektionismus“ und „das Beste geben“. Was viele als Fleiss und Disziplin beurteilen ist häufig eine Ablenkung von sich selbst.

  • Fehlende Präsenz: Dein Perfektionismus erlaubt dir nicht im gegenwärtigen Moment zu sein. Denn du strebst immer einen noch besseren Zustand in der Zukunft an und vergisst im Hier und Jetzt zu leben.
  • Liebesentzug: Häufig führt dein Perfektionismus dazu, dass du dich bei Scheitern, wenn auch unbewusst, bestrafst, indem du dir einredest, noch nicht gut genug zu sein.
  • Abhängigkeit: Dein Wohlbefinden ist von äußerem Erfolg und Anerkennung abhängig. Laufen die Dinge gut, bist du zufrieden, wenn etwas mal nicht so läuft, bist du unglücklich.
  • Rastlosigkeit: Du fühlst dich rastlos und gönnst dir keine Ruhe, da du ständig damit beschäftigt bist einen noch besseren Zustand zu erreichen.

Dein Perfektionismus ist da, damit du auf deine Leistung stolz sein kannst und du dann von dir selbst und anderen hoffentlich anerkannt und geliebt wirst. Das haben viele aus der Kindheit mitgenommen. Wenn du artig warst wurdest du belohnt, bei Fehlern hast du Ärger bekommen.

Leider machst du deine Selbstliebe damit abhängig von äußeren Umständen. Du hast etwas geschafft? Dann bist du gütig dir selbst gegenüber. Du hast versagt? Deine „Selbstliebe“ geht flöten und du bestrafst dich.

Anstatt krampfhaft an der Perfektion äußerer Umstände zu arbeiten, schau dir mal genau an, wie sehr du dich selbst leiden kannst, wenn es mal nicht so gut läuft.

Perfektionismus ablegen: Einfache Tipps

Gib weiterhin dein Bestes, jeden Tag. Perfektionismus ablegen bedeutet nicht, sich keine Mühe mehr geben zu müssen. Es bedeutet nur, sich bei einem möglichen Scheitern nicht mehr schuldig oder wertlos zu fühlen. Es bedeutet zu erkennen, dass du nicht jeden Aspekt deines Lebens kontrollieren kannst.

  • Lerne etwas Neues: Wenn du etwas Neues lernst wirst du in den wenigsten Fällen sofort perfekt darin sein. Du machst Fehler. Begebe dich spielerisch in eine Situation, in der du immer und immer wieder „scheiterst“. Vielleicht kannst du in deinem nächsten Urlaub einen Surfkurs machen und dich immer wieder in der Unterwasser Waschmaschine über dich selbst ärgern, bis du darüber lachen kannst. So lernst du gleichzeitig die Kontrolle über etwas abzugeben.
  • Praktiziere Selbstliebe: Du kannst lernen, dich selbst zu lieben, unabhängig von deinen Leistungen und äußeren Umständen. Das ist für viele ein langer Weg. Doch es gibt so viele Möglichkeiten, Selbstliebe zu praktizieren. Die Regel dabei lautet, dich nicht mehr von dir selbst abzulenken. Ich persönlich mache gerne geführte Meditationen zur Selbstheilung und Selbstliebe. Du kannst auch negative Glaubenssätze festhalten und diese dann zu positiven Glaubenssätzen wandeln und täglich wiederholen: Ein „wenn ich etwas falsch mache, bin ich nichts wert“ kann dann zu einem „Ich bin auch dann viel wert, wenn ich etwas falsch mache.“ werden.
  • Mache etwas nur halb fertig: Ich habe diesen Beitrag gestern zu 80% fertig geschrieben und den Abschluss mit Absicht auf heute verschoben. Perfektionisten ist es äußerst unangenehm, wenn ihre Pläne durchkreuzt werden, oder etwas nur halb fertig zu bekommen. Sie fürchten auch Kritik von anderen, die eigentlich immer eine großartige Leistung von ihnen gewohnt sind. Beispiel: Mach heute einfach mal keine Überstunden, lass deine Arbeit mal bewusst unfertig liegen. Darin übst du Mensch sein und dich mit deiner Zeit zu belohnen, unabhängig davon, ob du Leistung gebracht hast, oder nicht.
  • Gönne dir einen Faulenzertag: Samstag ausschlafen, den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen, Pizza bestellen und Fernseh schauen. Erwarte einfach mal gar nichts von dir und erlaube dir einen richtigen Faulenzertag, ohne schlechtes Gewissen.

Selbst wenn du 150% gibst – viele Dinge liegen nicht in deiner Hand und so wirst du ständig nach etwas unmöglichem Streben und dich dabei selbst vernachlässigen. Viel Glück auf deinem Weg in die Freiheit.

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