Geständnisse einer Yogini

Ich frage mich häufig wieso viele Yogis mit dem Finger auf andere zeigen. Wenn ich meine Blogbeiträge oder Gastbeiträge schreibe denke ich oft an die Konsequenzen, die meine Ehrlichkeit haben könnte und muss mich überwinden meine ungefilterte Meinung überhaupt kundzutun. Im diesem Zusammenhang frage ich mich:

  • Wenn Yoga ein Tool zu uns selbst sein soll, wieso wird man dann für Authentizität verurteilt?
  • Warum gibt es einen Wettbewerb darum, wer der bessere Yogi ist?
  • Was hat Wettbewerb und Verurteilung überhaupt mit Spiritualität zu tun?
  • Bist du du selbst oder ein Bilderbuchyogi?

Die inspirierensten Yogis, die mir begegneten waren die, die Yoga für sich praktizierten und weder fanatisch noch verurteilend waren. Sie sahen nicht unbedingt aus wie Yogis, haben nicht die neueste Yogamode getragen und waren ernährungstechnisch bewusst aber einfach. Diese Menschen haben sich echt angefühlt. Authentizität ist etwas, dass mir in der Yogawelt manchmal fehlt. Können wir bitte weniger versuchen Bilderbuchyogi zu sein und mehr bei uns selbst bleiben? Im heutigen Beitrag verrate ich dir, was an mir nicht bilderbuchyogisch, aber dafür ganz viel ICH SELBST ist.

Ich finde viele „Yogis“ anstrengend

Nicht nur Nicht-Yogis sind von Yogis genervt. Auch ich muss mich zusammenreißen nicht die Augen zu verdrehen, wenn ich manche Yogapraktizierende sprechen höre. Halbwissen über Chakrablockaden, Verurteilen von Essgewohnheiten und die Unmöglichkeit über Dinge zu sprechen, die nichts mit Yoga zu tun haben gekoppelt mit Arroganz sind nervig. Im Übrigen ertappe ich mich manchmal dabei selbst ein nerviger Yogi zu sein.

Ich liebe Süßigkeiten und Pizza

Da ich in meinem Prozess in Richtung Erleuchtung wohl noch nicht so weit bin gehe ich meiner Schwäche für Schokolade und Pizza nach. Die Schokolade ist ganz sicher nicht zartbitter und die Pizza mag ich mit besonders viel Käse. Einen Monat zuckerfrei habe ich probiert, schwer war es nicht. Trotzdem will ich nicht komplett darauf verzichten. Ich liebe es voll und ganz am Leben teilzunehmen und mich nicht für alles schuldig fühlen zu müssen.

Ich lebe nur vegetarisch

Eine große Debatte unter Yogis ist Veganismus und co. Ich habe eine vegane Ernährung ausprobiert und kann verstehen, wieso sich viele Yogis aus ethischen Gründen gegen den Konsum von tierischen Produkten entscheiden. Ich habe für mich entschieden vegetarisch zu leben und den Konsum von tierischen Produkten zu reduzieren. Ich bin überzeugt, dass Ahimsa gegenüber Tieren hohe Priorität im Yoga hat. Trotzdem: Ich kenne großartige Yogis, die Fleisch essen und großartige Yogis, die kein Fleisch essen und würde mir hier kein Urteil anmaßen. Es gibt nichts unangenehmeres als Veganer, die einem mit Aggressivität ihre Überzeugung aufzwingen wollen.

Manchmal habe ich keine Lust

Ich kann mir ein Leben ohne Yoga nicht mehr vorstellen. Aber ich habe Tage, an denen ich einfach keine Lust habe um sechs Uhr morgens für meine Meditation, Asana- und Pranayamapraxis aufzustehen. Ich schaffe es trotzdem gerade an diesen Tagen zu praktizieren. Ob es 15 Minuten oder zwei Stunden sind ist dabei egal. Es ist ein tägliches Commitment, das nicht immer Spaß macht.

Ich liebe es, dass mein Freund kein Yogi ist

Mein Freund ist sportlich, surft und achtet auf seine Ernährung. Er praktiziert desöfteren Yoga mit mir, mir ist aber bewusst, dass seine Leidenschaft wahrscheinlich eher mir gilt als der Yogaphilosophie. Ich werde häufig gefragt, ob mein Partner Yogi ist und ob es schwer für mich ist, dass er es nicht ist. Ich finde es ehrlich gesagt schön, dass jeder von uns seine eigenen Interessen hat. Wenn ich auf meiner Yogamatte praktiziere oder meditiere dann ist das die Zeit, die nur mir gilt. Mein Partner und viele meiner Freunde sind keine Yogis. Deswegen inspirieren sie mich nicht weniger als meine Yogifreunde.

Ich kann auch zickig

Ein schönes Klischée über Yogis ist, dass sie ständig gelassen, glücklich und harmonisch sind. Ich kenne genug Praktizierende, die unter Depressionen leiden, impulsiv und emotional sind oder mit dem Stress in ihrem Alltag nicht klarkommen. Das Ziel der Yogapraxis ist für viele den Geist zu beruhigen oder einen Ausgleich zu finden. Auch ich war schon immer ein impulsiver Mensch. Durch die Yogapraxis bin ich zwar ruhiger geworden, allerdings fahre ich trotzdem noch meine Krallen aus. „Ich dachte Yogis sind gelassener“ ist ein Satz, den ich mir schon desöfteren anhören musste. Nein, als Yogi musst du deine Persönlichkeit NICHT aufgeben.

Was macht für dich einen Bilderbuchyogi und was einen authentischen Yogi aus? Hast du deine Authentizität jemals vernachlässigt, um einem Bilderbuchyogi zu entsprechen? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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2 Kommentare

  1. Danke für Deine Sicht der Dinge . Kann ich nur bestätigen und noch hin zufügen . Menschen verwechseln gerne „lifestyle “ und Reality . Kratzen noch nicht mal an der Oberfläche des Begriffs YOGA und sind dann der Meinung , sie machen alles Richtig in dem sie über die richtige Ernährung und yoga Kleidung verfügen .wir können das Rad ja leider nicht mehr zurück drehen und yoga wieder in die Ursprungs Form zurück bringen und auch in das Land , aber wir können eben manchmal auch diese Menschen die sich manchmal sehr un – Ahimsha verhalten( besonders in Gruppen in Ubud);) sagen was wir von ihnen halten . Ist das urteilend , was ich da schreibe ? Ja , aber ich bin nur ein Mensch der seine Schwächen nicht versteckt . Vielen Dank Jasmin ein sehr schöner Bericht.
    PS:Lebe u arbeite auch in Bali und kann mir sehr gut vorstellen von was du sprichst 😉

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