Bali: Yogawahn, Plastikmüll und deine zu hohen Erwartungen

Bali wird als Insel der Götter bezeichnet und ist seit vielen Jahren vorallem eine Insel der Wahrheitssuchenden. Die Motivation auf Bali ein höchst spirituelles Leben zu führen ist groß, sowohl bei Reisenden, als auch bei Auswanderern. Den Weg zur sogenannten Wahrheit führt in den Köpfen der meisten insbesondere über eine gesunde Ernährung, den Besuch spiritueller Heiler, tiefgründige Gespräche über das Suchen und Finden Gottes in unzähligen alternativen Cafés, Yoga und eine überwältigende Natur. Und obwohl Bali all dies liefern kann, kann die Insel dich wie kaum ein anderer Ort von deinem Pfad reißen. Wieso das so ist? Deine zu hohen Erwartungen.

Der Yogawahn

Die Situation: Yoga ist eine der sechs Hauptsäulen des Hinduismus, die Religion, die auf Bali vorherrschend ist. Doch die Balinesen haben mit dem Yoga, wie wir ihn kennen nicht viel am Hut. Es existieren unzählige Yogaschulen auf Bali, die so hoch in ihren Preisen sind, dass sie von den Einheimischen selten besucht werden können. Yoga ist auf die Reisenden, die Expats ausgerichtet. Und hier wird ein riesen Hype veranstaltet. Insbesondere Ubud, das spirituelle Zentrum Balis ist überhäuft mit Angeboten an veganen Restaurants, Yoga Events, schicken Yoga Shops und jeder zweite ist Yogalehrer. Wenn du nicht im Yogabarn warst, dann hast du kein trendy Yoga auf Bali erlebt, diese Meinung vertreten hier einige. Es wirkt wie eine große Blase um das Thema Yoga, in dem die Bescheidenheit eines Yogis keine Rolle mehr spielt und du plötzlich nicht mehr begreifst was du an Yoga eigentlich so liebst. Irgendwie fühlt es sich zu gezwungen an und ist zu präsent und nicht mehr die Quelle, an die man sich wendet, um Energie zu schöpfen. Eher wie ein Accessoire, mit dem man sich schmückt, um dazuzugehören.

Mein Bali-Überlebens-Tipp: Versuche deine persönliche Yoga Praxis zu finden. Eine Community ist inspirierend, aber den eigenen Weg zur Wahrheit sollte man nicht aus den Augen verlieren. Denn Yoga ist eine Art Werkzeug, das uns inspiriert aufunsere Art Zugang zu unserem Licht zu finden. Hierfür gibt es keine Anleitung. Für mich erscheint es in der Leichtigkeit, mit einem Lehrer, der Zugang zu deinem Herzen finden kann. Was ich mir vorgenommen habe? Ich denke es ist wichtig aus den unzähligen Möglichkeiten auf Bali Inspiration zu schöpfen, sich aber zu erinnern, dass ein Yogi eher in Bescheidenheit und Einfachheit wächst. Von einem Überfluss an Luxusgütern kann man schon mal das Wesentliche aus den Augen verlieren. Er ist von keinem Schönheitswahn besessen und übt sich in Ruhe und Einkehrung. Er fesselt sich nicht an Vorgaben, die ihm eine Community aufzwängt, sondern schöpft Inspiration aus ihr und kreiiert seinen eigenen Pfad. Eine wunderbare Yoga Schule mit tollen Lehrern, die die Weitergabe des ganzheitlichen Yoga Pfads an ihre Schüler praktizieren ist ThePractice in Canggu.

Essen auf Bali

Die Situation: Bali bietet kulinarisch die größten Extreme. Auf der einen Seite das Essen in lokalen Warungs mit leckerster indonesischer Küche für umgerechnet 1 bis maximal 2 Euro pro vegetarischer Portion. Wenn du in Canggu oder Ubud ankommst reihen sich dann genau diese Warungs neben hippen, internationalen und überteuerten Restaurants . In Bali lässt es sich günstig leben, aber die kulinarschen Alternativen zur indonesischen Küche sind groß und teuer und eine komplett andere Welt, die meiner Meinung nach die Einheimischen von uns trennen. Die lokalen Warungs werden leerer, die teuren Restaurants werden voll.

Mein Bali-Überlebens-Tipp: Keep it simple. Wenn ihr Bali wirklich erfahren wollt, setzt euch in ein lokales Warung und schaut mit den lieben Besitzern eine Runde Telenovela zu einem Teller Nasi Campur oder Nasi Goreng. Und hin und wieder gönnt euch einen kulinarischen, unfassbar teuren Leckerbissen in La Laguna oder Barbacoa. Ohne zu streng mit sich zu sein, lasst beides ein Teil eures spannenden Lebens auf Bali sein. Die Entwicklung auf Bali ist enorm, doch nicht nur zum Positiven. Noch vor wenigen Jahren waren Canggu und co. kleine Dörfer mit offenen Reisfeldern und Warungs, die die Surfer nach ihrer Session gestärkt haben. Aktuell entwickelt es sich zum Mekka für Hipster und Partytouristen, die für Spiritualität und Einfachheit wenig übrig haben. Ich rate jedem das echte Bali kennenzulernen und aus der Einfachheit zu schöpfen, die die Insel der Götter uns bietet und sich nicht in einem stark konsumgeprägten Leben zu verlieren.

Das Plastikproblem

Die Situation: Jan und ich sind zu Anfang der Regenzeit angekommen. Wir waren sofort begeistert von den vielen Stränden, die von weißem Sandstrand und den besten Surfspots, kleinen Buchten, bis hin zu offenen kilometerlangen schwarzen Sandstränden reichen. Die Sonnenuntergänge, die man mit einer kühlen Kokosnuss am Strand genießen kann sind atemberaubend. In der Regenzeit zeigen sich jedoch auch andere, unschönere Seiten. Durch Strömungen werden kiloweise Plastikmüll an den Strand gespült, der hauptsächlich aus Plastikstrohhalmen, Plastikflaschen oder Kosmetiktuben besteht. Das Problem hat so große Ausmaße für die Insel angenommen, dass es tourismusgefährdend ist. Seit wenigen Jahren gibt es Recyclingunternehmen, die sich diesem Problem annehmen und auch die Regierung diskutiert Methoden, wie der Müll, der in den schlimmsten Zeiten mit jeder Welle angespült wird und sich wie ein Teppich über den Strand zieht, entsorgt werden kann. Mit anderen Expats organisiere ich Beach Clean Up’s, die die Strände wieder schön machen. Die Nachfrage nach Produkten, die in Plastik gepackt sind ist insbesondere durch den Tourismus so stark gestiegen, dass das Wastemanagement nicht mehr mitkommt und Abfälle verbrannt werden oder in den Flüssen Balis Landen.

Mein Bali-Überlebens-Tipp: Meckern bringt hier gar nichts. Die Beach Clean Up’s sind eine vorübergehende Lösung. Aber wichtig ist, das Problem in seinem Ursprung anzugehen. Organisationen wie Eco Bali Recycling geben Schulungen über den Umgang mit Plastik und andere kleinere Organisationen setzen sich aus motivierten Einheimischen und Voluntären aus dem Ausland zusammen, um nachhaltig etwas zu tun. Von heute auf morgen wird sich das Problem nicht lösen, aber wenn man etwas beitragen will ist es wichtig jeden Konsum von Plastik zu vermeiden: Keine in Plastik abgepackten Lebensmittel wenn nicht notwendig, keine Plastiktüten, keine Plastikstrohhalme. Hier gibt es Alternativen aus Glas oder Bambus. In Organisationen wie One Island one Voice oder MPH kann sich eingesetzt werden, um dem Plastikgrauen ein Ende zu bereiten.

Wir treffen uns zum wöchentlichen Beach Clean Up am Pererenan Beach, Quasi unserem Hausstrand, mit fleissigen Leuten und Freunden aus der Community und sammeln angespülten Plastikmüll aus dem Meer ein. All der Müll geht zu EcoBali Recycling und wird recycelt. Falls ihr auf Bali unterwegs seid trefft ihr uns in der Regenzeit jeden Samstag um 8 Uhr morgens am Pererenan Strand an.

Bali ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Reist nicht mit der Erwartung hierher eine glatte Insel vorzufinden. Letztendlich ist es die Nachfrage, die wir schaffen, die das stark tourismusabhängige Bali beeinflusst. Sei es Plastik, sei es die Yoga Praxis oder die Gastronomie. Bali wird euch inspirieren, euren Atem rauben und oft schockieren. Ich habe gelernt Bali zu lieben, mit den vielen schönen und auch der ein oder anderen unschönen Seite und in der Zeit, in der ich hier lebe, einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen.

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